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Kroatischer Journalist Željko Peratović angeklagt

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    "Der Innenminister sollte engagiert sein, die Untersuchungen um den Mord an einem geschützten Zeugen zu unterstützen statt diejenigen zu attackieren, die sich weigern, Kriegsverbrechen zu vergessen und unbestraft zu lassen." "Der Innenminister sollte engagiert sein, die Untersuchungen um den Mord an einem geschützten Zeugen zu unterstützen statt diejenigen zu attackieren, die sich weigern, Kriegsverbrechen zu vergessen und unbestraft zu lassen." Foto von Anwalt Veljko Miljević
    Reporter ohne Grenzen: Auf Geheiß des Innenministers - Soll Informationen veröffentlicht haben, die Bevölkerung aufregen könnten - Reporter schrieb über Kriegsverbrechen


    Der kroatische Journalist Željko Peratović, bekannt für seine investigativen Berichte über Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien während der 1990er Jahre, ist laut Reporter ohne Grenzen (ROG/RSF) auf Geheiß des kroatischen Innenminister Tomislav Karamarko am Donnerstag vergangener Woche angeklagt worden. Er wird beschuldigt, Informationen veröffentlicht zu haben, die "zur Aufregung in der Bevölkerung" führen könnten, so die Anklage. Dem Journalisten drohe bis zu ein Jahr Haft sowie eine Geldstrafe, teilten ROG am heutigen Montag in einer Aussendung mit.

    Peratović hatte in seinen Blogeinträgen (45lines.peratovic.net und peratovic.blog.hr) Briefe an nationale Justizbeamte sowie eine Reihe von öffentlichen Stellungnahmen publiziert. Er beschuldigte darin Innenminister Karamarko, die Untersuchungen zum Tod eines Zeugen vor dem Internationalen Tribunal für Kriegsverbrecher im ehemaligen Jugoslawien (ICTY), Milan Levar, zu behindern. Levar wurde im Jahr 2000 Opfer eines Autobombenattentats.

    Peratovic, einer der letzten, die Levar lebend sahen, wurde als Zeuge in den Ermittlungen zu dem Anschlag befragt. Der Journalist vermutet eine bestimmte Absicht hinter Karamarkos Anklage gegen ihn: "Das Gericht könnte auch, statt einer Geldstrafe, ein Verbot für mich in der Verbreitung von Informationen durchsetzen. Das würde verhindern, dass ich jede Art von journalistischer Tätigkeit ausüben könnte, sei es in meinem Blog oder in anderen Medien." Damit sei auch seinem Bemühen, den Fall Milan Levar aufzuklären, ein Ende gesetzt.

    Kritik von "Reporter ohne Grenzen"

    Reporter ohne Grenzen verurteilt die Anklage gegen Peratović. "Es scheint, als ob das Einmischen der Medien in Kriegsverbrecherprozesse nicht willkommen ist zu einer Zeit, in der Kroatien um den Beitritt in die Europäische Union bemüht ist", so Rubina Möhring, Präsidentin von ROG Österreich. "Der Innenminister sollte engagiert sein, die Untersuchungen um den Mord an einem geschützten Zeugen zu unterstützen statt diejenigen zu attackieren, die sich weigern, Kriegsverbrechen zu vergessen und unbestraft zu lassen."

    Die mögliche Bestrafung sei lächerlich und nicht akzeptabel, so die Journalistenorganisation: "Das Verbrechen, Informationen zu verbreiten, die die Öffentlichkeit aufregen könnten, zeugt von einer obsoleten Ansicht über freie Meinungsäußerung, die völlig inkompatibel ist mit den demokratischen Standards der EU. Diesen muss sich Kroatien aber anpassen, wenn es der EU beitreten will. Wenn die Anklage gegen Peratović länger andauert, werden wir dafür sorgen, dass jede Anhörung vor Gericht bei offenen Türen stattfindet", so die Organisation.

    Željko Peratović, der 2008 Todesdrohungen bekommen hatte, wurde schon 2007 verhaftet, unter anderem weil er Staatsgeheimnisse über Kriegsverbrechen in den 1990ern in seinem Blog veröffentlicht hatte. Er arbeitete für verschiedene Zeitungen, zuletzt für "Vjesnik". 2003 bekam er von Reporter ohne Grenzen Österreich den Press Freedom Award. 


    Dieser Artikel wurde veröffentlicht derStandard.at, (APA), 19. Jänner 2009 / Reporter ohne Grenzen Österreich

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